EU muss gegen Genderzid vorgehen

Gendercide

Das Europäische Parlament forderte heute die EU-Regierungen auf, Maßnahmen gegen ‚Genderzid‘ zu ergreifen – dieser geschlechtsneutrale Begriff bezeichnet die systematische, vorsätzliche und massenhafte Tötung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts.

Jüngste Schätzungen zum Geschlechterverhältnis in der Weltbevölkerung zeigen eine Verzerrung, die rund 200 Millionen ‚fehlenden‘ Frauen entspricht.

In einer Entschließung, die von der Sozialdemokratin Antigoni Papadopoulou verfasst und heute im Plenum in Straßburg angenommen wurde, betonte das Europäische Parlament, dass Genderzid ein Verbrechen und eine schwere Verletzung der Menschenrechte ist. Die Regierungen werden aufgefordert, Gesetze zu erlassen, um solche Fälle zu untersuchen, die Täter vor Gericht zu stellen, den Überlebenden zu helfen und unterstützende Maßnahmen einzuführen, um dir Rolle von Mädchen und Frauen zu stärken.

Nach der Abstimmung sagte Antigoni Papadopoulou:

„Ich begrüße den positiven Ausgang dieser Abstimmung. Zum ersten Mal befasst sich das Europäische Parlament mit dieser besonders sensiblen Angelegenheit.

Die ‚fehlenden‘ Frauen sind entweder Opfer von Geschlechtsselektion während der Schwangerschaft – durch vorgeburtliche Bestimmung des Geschlechts und Abtreibung – oder nach der Geburt durch Kindestötung oder Vernachlässigung.

Wir haben im Ausschuss für Frauenrechte und Geschlechtergleichstellung hart gearbeitet und einen soliden und integrierten Bericht über die Bekämpfung von Genderzid zustande gebracht.

Ich bin sehr zufrieden, dass eine Reihe von Änderungsanträgen, die im Plenum eingebracht wurden, nicht in den endgültigen Bericht aufgenommen worden sind. Diese Änderungen waren außerhalb des Anwendungsbereichs dieses Berichts, da das vorgeschlagene Verbot aller Abtreibungen die Genderzide nicht mit Sicherheit beenden würde.

Außerdem ist der vorliegende Bericht nicht das angemessene Forum, um sich für persönliche Anliegen einzusetzen. Vielmehr geht es darum, abgestimmte Aktionen zur Bekämpfung von geschlechtsspezifischen, geschlechtsselektiven Untaten und somit zur Rettung von Frauenleben zu empfehlen.“