Seit der ersten allgemeinen Direktwahl im Juli 1979 haben vier sozialdemokratische Abgeordnete den Vorsitz dieser Versammlung geführt.
Auf dem Gipfel im Jahr 1974 in Paris billigen die europäischen Spitzenpolitiker, darunter der Sozialdemokrat Helmut SCHMIDT, den Grundsatz der allgemeinen Direktwahlen zum Europäischen Parlament. Diese neue Etappe des europäischen Einigungswerks untergliedert sich in zwei Phasen: vom 10. September 1952, dem Tag, als es sich beim Europäischen Parlament noch um eine gemeinsame Versammlung von 78 Abgeordneten der nationalen Parlamente handelte, bis zum 24. Juli 1979, dem Tag des ersten Europäischen Parlaments, dessen 410 Abgeordnete durch allgemeine Wahlen gewählt werden.
Seit seiner Schaffung haben sich die Befugnisse und die politische Rolle des Europäischen Parlaments mit den einzelnen Verträgen beständig weiterentwickelt.
Das Parlament übt drei Funktionen aus: legislative Funktion, haushaltsbezogene Befugnisse, Kontrollfunktion:
- Legislativ, das Europäische Parlament stimmt über europäische Legislativmaßnahmen ab; es teilt diese Befugnis mit dem Rat,
- Haushalt, das Parlament und Rat sind die beiden EU-Organe, die die Haushaltsbefugnisse wahrnehmen,
- Kontrolle, das Europäische Parlament führt eine demokratische Kontrolle über sämtliche Aktivitäten der Gemeinschaft durch.
Zur Ausübung seiner Befugnisse verfügt das Europäische Parlament über eine Geschäftsordnung, in der die Arbeitsorganisation und Arbeitsmethoden wie auch die Aufgaben der Mandatsträger festgelegt sind.
Das Europäische Parlament wird durch einen Präsidenten geleitet, der von allen Abgeordneten nach den in Artikel 13 der Geschäftsordnung vorgesehenen Voraussetzungen gewählt wird.
Kapitel 2: Amtsträger des Parlaments - „Artikel 13 : Wahl des Präsidenten - Eröffnungsansprache“
1. Zunächst wird der Präsident gewählt. Die Kandidaturen sind vor jedem Wahlgang dem Alterspräsidenten zu unterbreiten, der sie dem Parlament zur Kenntnis bringt. Hat nach drei Wahlgängen kein Kandidat die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhalten, so können beim vierten Wahlgang nur die beiden Mitglieder Kandidaten sein, die im dritten Wahlgang die höchste Stimmenzahl erhalten haben; bei Stimmengleichheit gilt der Kandidat mit dem höheren Lebensalter als gewählt.
2. Sobald der Präsident gewählt ist, überlässt ihm der Alterspräsident den Vorsitz. Allein der gewählte Präsident kann eine Eröffnungsansprache halten.“
Der Präsident stellt die folgenden Aufgaben gemäß Kapitel 3 Artikel 19 der Geschäftsordnung sicher:
Kapitel 3: Organe und Aufgaben – „Artikel 19 : Aufgaben des Präsidenten
1. Der Präsident leitet unter den in dieser Geschäftsordnung vorgesehenen Bedingungen sämtliche Arbeiten des Parlaments und seiner Organe. Er besitzt alle Befugnisse, um bei den Beratungen des Parlaments den Vorsitz zu führen und deren ordnungsgemäßen Ablauf zu gewährleisten.
Zu diesen Befugnissen gehört unter anderem die, über Textteile in einer anderen Reihenfolge als derjenigen, die in dem zur Abstimmung vorliegenden Dokument festgelegt ist, abstimmen zu lassen. Entsprechend den Bestimmungen nach Artikel 155 Absatz 7 kann der Präsident zuvor das Einverständnis des Parlaments einholen.
2. Der Präsident eröffnet, unterbricht und schließt die Sitzungen. Er entscheidet über die Zulässigkeit von Änderungsanträgen, über Anfragen an den Rat und die Kommission sowie über die Übereinstimmung von Berichten mit dieser Geschäftsordnung. Er achtet auf die Einhaltung dieser Geschäftsordnung, wahrt die Ordnung, erteilt das Wort, erklärt die Aussprachen für geschlossen, lässt abstimmen und verkündet die Ergebnisse der Abstimmungen. Er übermittelt den Ausschüssen die Mitteilungen, die ihre Tätigkeit betreffen.
3. Der Präsident darf in einer Aussprache das Wort nur ergreifen, um den Stand der Sache festzustellen und die Aussprache zum Beratungsgegenstand zurückzuführen; will er sich an der Aussprache beteiligen, so gibt er den Vorsitz ab; er kann ihn erst wieder übernehmen, wenn die Aussprache über den Gegenstand beendet ist.
4. Der Präsident vertritt das Parlament im internationalen Bereich, bei offiziellen Anlässen sowie in Verwaltungs-, Gerichts- und Finanzangelegenheiten; er kann diese Befugnisse übertragen.
Dem Präsidenten des Europäischen Parlaments stehen zwei Vizepräsidenten zur Seite.“
Die Präsidenten des Europäischen Parlaments :
Seit 1979 hatte das Europäische Parlament 13 Präsidenten:
- Simone VEIL: LDR-FR von 1979 bis 1982
- Piet DANKERT: SPE-NL von 1982 bis 1984
- Pierre PFLIMLIN: EVP-FR von 1984 bis 1987
- Henry PLUMB (Lord): DE-UK von 1987 bis 1989
- Enrique BARÓN CRESPO: SPE-ES von 1989 bis 1992
- Egon A KLEPSCH: EVP-DE von 1992 bis 1994
- Klaus HÄNSCH: SPE-DE von 1994 bis 1997
- GIL ROBLES-GIL DELGADO: EVP-ES von 1997 bis 1999
- Nicole FONTAINE: EVP/DE-FR von 1999 bis 2002
- Pat COX: ALDE-IE von 2002 bis 2004
- Josep BORRELL FONTELLES: SPE-ES von 2004 bis 2006
- Hans-Gert PÖTTERING: EVP-DE von 2007 bis 2009
- Jerzy BUZEK: EPP-ED von 2009 bis 2011
Die sozialdemokratischen Präsidenten des Europäischen Parlaments:
PIET DANKERT Wahlperiode 1979-1984: Präsident von Januar 1982 bis Juli 1984. Vizepräsident vom 10.12.1979 bis 18.01.1982 und vom 21.01.1987 bis 24.07.1989

Piet DANKERT war von 1977 bis Juli 1987 und von 1994 bis 1999 Mitglied des Europäischen Parlaments. Piet DANKERT war der zweite Präsident des Europäischen Parlaments seit der Einführung der allgemeinen Direktwahl für die Wahlperiode 1979 – 1984.
Piet DANKERT wird im Jahr 1934 geboren und stirbt am 21. Juni 2003 in Frankreich im Alter von 69 Jahren. In Sachen parlamentarische Versammlung ist er als dynamischer Streiter aufgetreten. Er war ein überzeugter Anhänger des Föderalismus in Europa und hat bei der Verteidigung und Weiterentwicklung der Befugnisse des Parlaments eine wichtige Rolle gespielt. In dieser Eigenschaft war er der erste Präsident, der das HaushaItsinstrument eingesetzt hat, um das Parlament zu stärken und den Haushalt der Europäischen Union transparenter zu gestalten.
Robin COOK, (geboren am 26.04.1946, verstorben am 06.08.2005 im Alter von 59 Jahren), ehemaliger Außenminister der Regierung BLAIR ( Labour) von 1997 bis 1999 und Vorsitzender der Sozialistischen Partei Europas von 2001 bis 2005 würdigte Piet DANKERT wie folgt:
„Piet DANKERT ist unermüdlich und entschlossen für die Reform der europäischen Institutionen eingetreten. Er hat dafür gekämpft, den Haushalt der Europäischen Union offen und transparent zu gestalten. Späterhin, als niederländischer Staatssekretär für Europa-Angelegenheiten, hat er sich einer historischen Herausforderung für Europa gestellt, nämlich dem Ministerrat der Europäischen Union die Geheimnistuerei zu entziehen. Er hat ferner dem Vertrag von Amsterdam, der den Weg für echtes Handeln auf europäischer Ebene im Beschäftigungsbereich eröffnet hat, die Richtung vorgegeben.
Er war von der Bedeutung enger Beziehungen zwischen Europa und den Vereinigten Staaten überzeugt und hat beim Ausbau der Beziehungen zwischen dem Europäischen Parlament und dem Kongress der USA eine entscheidende Rolle gespielt. Er war Teilnehmer des irischen Forums für Frieden und Versöhnung in den 1990er Jahren. Als stellvertretender Vorsitzender des EP-Ausschusses hat er die Beziehungen zur Türkei gefördert und ist für die Rechte der Gewerkschaften und Minderheiten in diesem Land eingetreten. Die Politik in den Niederlanden und in Europa hat einen ihrer engagiertesten und begabtesten Akteure verloren.“
Klaus HÄNSCH Wahlperiode 1994 - 1997: von Juli 1994 bis Januar 1997

Klaus HÄNSCH wird am 15. Dezember 1938 in Sprottau (Schlesien), einer zu dieser Zeit deutschen und heute unter dem Namen Szprotawa polnischen Stadt, geboren. Seine Familie flieht 1945 und lässt sich in Flensburg nahe der dänisch-deutschen Grenze nieder . Dort verbringt er seine Kindheit sowie seine gesamte Schulzeit und leistet seinen Wehrdienst ab. Er hat in Köln, Paris und Berlin Soziologie studiert und in Philosophie promoviert. Als Journalist und Politologe beginnt er sein Berufsleben als Assistent der Freien Universität in Berlin (1966-1968), wird daraufhin Chefredakteur von „Dokumente“, einer Zeitschrift für übernationale Zusammenarbeit (1968-1970). Seit 1964 ist er Mitglied der Sozialdemokratischen Partei (SPD) und tritt darauf als Referent bei dem Bevollmächtigten der Bundesrepublik Deutschland für kulturelle Angelegenheiten im Rahmen des Vertrags über die deutsch-französische Zusammenarbeit auf die politische Bühne. Von 1970 bis 1979 bekleidet er die Position eines Presseattachés und ab 1977 ist er Sprecher und Sonderberater von Johannes RAU, Minister für Wissenschaft und Forschung des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen.
1979, dem Jahr der ersten allgemeinen Wahlen zum Europäischen Parlament wird Klaus HÄNSCH gemeinsam mit Willy BRANDT EP-Abgeordneter und zieht in das Europäische Parlament ein. In der Sozialdemokratischen Fraktion bekleidet er zweimal das Amt des ersten stellvertretenden Vorsitzenden, des Koordinators für Außen- und Sicherheitspolitik und nimmt ab 1989 aus strategischen Überlegungen Funktionen im Zusammenhang mit der Zukunft Europas und seiner Erweiterung wahr. Bei der Bestimmung des Standpunkts unserer Fraktion insbesondere während des bedeutsamen Jahres der deutschen Wiedervereinigung (1989) und der Gestaltung des neuen Europas spielte er stets eine entscheidende Rolle. Seit seiner ersten Mandatsperiode ist Klaus HÄNSCH Mitglied des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten, Sicherheit und Verteidigungspolitik sowie Vorsitzender der Delegation des Europäischen Parlaments für die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika und Mitglied des Ausschusses für institutionelle sowie späterhin konstitutionelle Fragen. Sein Engagement konzentriert sich auf die Entwicklung, die die Europäische Union seit der Altiero-SPINELLI-Zeit sowohl aus institutioneller Sicht als auch in Bezug auf ihre Rolle in der Welt genommen hat. Er bringt sich ferner aktiv als Mitglied des Präsidiums des Konvents zur Zukunft Europas (2002-2003) sowie als Vertreter des Europäischen Parlaments in die Regierungskonferenz für die Annahme des Verfassungsvertrags ein.
Von 1994 bis 1997 ist er Präsident des Europäischen Parlaments . In seiner Antrittsrede am 22. Juli 1997 nimmt er resolut zu der Rationalisierung und Stärkung der Befugnisse des Europäischen Parlaments Stellung, indem er ausführt: „Es geht in den nächsten Jahren nicht nur darum, mehr Rechte für das direkt gewählte Europäische Parlament zu erstreiten. Es geht auch darum, dass wir die Rechte, die wir bereits haben, effektiver und mit mehr Nachdruck nutzen.“ Und er hebt hervor: „Die Europäische Union braucht nicht mehr Befugnisse, sondern mehr parlamentarische Demokratie.“ Die Anfänge der Union von Maastricht während seiner Präsidentschaft veranlassen ihn dazu, ab Beginn seines Mandats interne Reformen vorzunehmen, damit „das Europäische Parlament transparenter, effektiver und lebhafter wird und sich besser auf seine Aufgaben konzentriert“. Seine wichtigsten Neuerungen betreffen beispielsweise die Plenarsitzung, auf der dem Präsidenten der Europäischen Kommission die Gelegenheit gegeben wird, auf jede Frage unmittelbar zu antworten anstatt am Ende der Sitzung auf sämtliche Fragen. Außerdem hat er dafür gesorgt, dass für den ordnungsgemäßen Verlauf der Plenartagung erforderliche Sitzungen der parlamentarischen Ausschüsse abgehalten werden können und für die großen politischen Aussprachen die erforderliche Zeit eingeplant wird. Er unterzeichnet die ersten EU-Legislativmaßnahmen im Rahmen des neuen Mitentscheidungsverfahrens mit dem Rat.
Er stärkt die Rolle des Europäischen Parlaments, da er – trotz heftiger Widerstände - bei der Neubesetzung der Europäischen Kommission erreicht, dass die designierten Kommissionsmitglieder noch vor der Vertrauensabstimmung Anhörungen vor den Ausschüssen des Parlaments durchlaufen. Klaus HÄNSCH versteht sich als Präsident in der Europäischen Union und besucht die Regionen Europas, um die „Vielfalt“ der Union besser kennen zu lernen. Zu Ende seines Mandats hat das Parlament an Profil gewonnen, und seine Tätigkeit findet die Anerkennung des damaligen Vorsitzenden der EVP-Fraktion (Europäische Volkspartei) Wilfried MARTENS.
Ins einer letzten Legislaturperiode, 2004-2009, ist Klaus Hänsch Mitglied des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten und stellvertretendes Mitglied des Ausschusses für konstitutionelle Fragen, stellvertretendes Mitglied der Delegation für die Beziehungen des Europäischen Parlaments zur Volksrepublik China und Mitglied der Delegation für die Beziehungen des Europäischen Parlaments zu Australien und Neuseeland.
Klaus HÄNSCH ist Autor zahlreicher Bücher und Aufsätze über Politik und Gesellschaft in Frankreich, über die deutsch-französischen Beziehungen sowie über Fragen der Politik der Europäischen Union. Klaus HÄNSCH wurde mit mehreren Ehrungen ausgezeichnet und ihm wurden mehrere Ehrenzeichen verliehen, darunter der Ehrenbürgertitel seiner Geburtsstadt Szprotawa, der Titel, dem er den höchsten Wert beimisst.
Enrique BARÓN CRESPO Wahlperiode 1989 - 1994: Von Juli 1989 bis Januar 1992

Enrique BARÓN CRESPO wird am 27. März 1944 in Madrid geboren. Er hat am Katholischen Institut für Verwaltung und Betriebswirtschaft (ICADE) in Spanien einen Hochschulabschluss in Rechtswissenschaft sowie in Betriebswirtschaft erlangt. Er hat zudem ein Diplom auf der Höheren Schule für Wirtschafts- und Handelswissenschaften (ESSEC) in Paris erworben.
Bevor er seine politische Laufbahn beginnt, ist der Jurist und Betriebswirt Enrique BARÓN CRESPO zunächst als Rechtsanwalt mit Spezialisierung auf Arbeitsrecht tätig und setzt sich für die Verteidigung von Menschen ein, die aus politischen Gründen oder wegen einer Gewerkschaftszugehörigkeit angeklagt sind. Er ist darüber hinaus Professor für Agrarwirtschaft am Nationalen Institut für Agrarstudien Valladolid (INEA) und Professor für Wirtschaftsstruktur an der Universität Madrid in Spanien.
Als Mitglied (seit 1977) der Sozialistischen Arbeiterpartei Spaniens (PSOE: Partido Socialista Obrero Español) verlagert sich sein politisches Leben zunehmend auf die nationale, sodann auf die europäische Ebene.
Bei den Wahlen im Juni 1977 erhält er sein erstes nationales Mandat als Abgeordneter im Kongress der Abgeordneten, des spanischen Unterhauses, und wird im März 1979 wiedergewählt. Von 1977 bis 1982 ist Enrique BARÓN CRESPO Fraktionssprecher im parlamentarischen Ausschuss für Wirtschaft und Haushalt. Von 1982 bis 1985 ist er Minister für Verkehr, Tourismus und Kommunikation unter der Regierung von Felipe GONZALEZ MARQUEZ.
Seit 1986 engagiert sich Enrique BARÓN CRESPO im Bereich „Europa“ und nimmt in diesem Rahmen verschiedene Ämter auf europäischer und internationaler Ebene wahr. Er ist zunächst EP-Abgeordneter, darauf Vizepräsident des Europäischen Parlaments (1987-1989) und wird schließlich 1989 zum Präsidenten des Europäischen Parlaments gewählt. Bei den Verhandlungen über den Vertrag von Maastricht mit der interinstitutionellen Konferenz und den Sitzungen der nationalen Parlamente tritt er aktiv für eine Stärkung der Befugnisse des Europäischen Parlaments ein. Er führt den Vorsitz des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten und Sicherheit (1992-1994) und ist während der Wahlperiode 1994-1999 Mitglied dieses Ausschusses. Von 1999 bis 2004 übernimmt er den Vorsitz der Sozialdemokratischen Fraktion des Europäischen Parlaments, die zum ersten Mal seit der Einführung der allgemeinen Wahlen nicht mehr die stärkste Fraktion des Europäischen Parlaments ist. Zwischen 2004 und Mitte Januar 2007 steht er dem Ausschuss für internationalen Handel vor.
Seit Beginn einer politischen Betätigung an der Universität ist sein Engagement für Europa fester Bestandteil seiner Arbeiten. Beispielsweise hat er bei der Ratifizierung des Entwurfs des Verfassungsvertrags die Befürwortung der Verfassung mit folgenden Worten unterstützt: „Bei dieser Verfassung handelt es sich um ein supranationales Gefüge, dem durch die Mitgliedstaaten und Bürger Gestalt gegeben wurde. Vom Standpunkt der Demokratie her gesehen ist es das erste Mal, dass Parlamentarier aller Mitgliedstaaten und sogar der Türkei öffentlich wie auch über das Internet über einen Gründungstext für Europa debattiert haben. Es war folglich nicht eine Debatte hinter verschlossenen Türen, wie dies bei den anderen Regierungskonferenzen der Fall war. Was die Grundrechte betrifft, so geht der Schutz dieses Texts sogar noch weiter als die nationalen Verfassungen. Beispielsweise wird im Rahmen der Herausforderung der Entwicklung der Biotechnologien das Recht auf Unversehrtheit der Person ausdrücklich aufgeführt. Gleichsam sind der Schutz personenbezogener Daten und das Recht auf eine gute Verwaltung (was für bestimmte Länder eine echte Revolution darstellt) vorgesehen.“
Veröffentlichungen: Seit 1965 hat Enrique BARÓN CRESPO zahlreiche Aufsätze in den wichtigsten spanischen Fachzeitschriften für Wirtschaft, Politik und Sozialwesen veröffentlicht. Er ist darüber hinaus Autor folgender Bücher: „Población y Hambre en el Mundo“, „El final del Campesinado“, „La Civilización del Automóvil“, „Europe 1992: le Rapt du Futur“, „L’Europe à l’Aube du Millénaire“ (1996), in mehreren Sprachen veröffentlicht. Ferner auch „Europea: Pasión y Razón“, im Jahr 2004 veröffentlicht. Seine im Jahr 2005 publizierte Doktorarbeit lautet „La Constitucionalización del Poder Legislativo en la Unión Europea“. Seine jüngste Veröffentlichung: „El Error del Milenio“, 2007 .
JOSEP BORRELL FONTELLES Wahlperiode 2004 - 2009: Von Juli 2004 bis Januar 2007

Josep BORRELL FONTELLES wird am 24. April 1947 in Pobla de Segur geboren. Er erwirbt sein Abitur berufsbegleitend und kann aufgrund seiner guten Ergebnisse ein Hochschulstudium beginnen. Nach Erhalt eines Luftfahrtingenieur-Diploms an der Polytechnischen Universität Madrid promoviert er an der Universität Complutense de Madrid in Wirtschaftswissenschaften und erwirbt am Französischen Erdölinstitut in Paris einen Master in Erdölwirtschaft, später einen Master in angewandter Mathematik an der Universität Stanford. Die politische Bühne betritt er als Ingenieur der spanischen Erdölgesellschaft (1972-1981).
Seit 1974 ist Josep BORRELL FONTELLES Mitglied der Sozialistischen Arbeiterpartei Spaniens, der PSOE. 1979 wird er Mitglied des Stadtrats von Majadahonda (Vorort von Madrid), und von 1979 bis 1982 ist er in der Regionalregierung von Madrid für Finanzangelegenheiten zuständig. Als die PSOE die Wahlen in Spanien gewinnt (1982), wird er Mitglied der Regierung Felipe GONZALEZ, in der er verschiedene Ämter bekleidet: Staatssekretär für Haushaltsfragen 1982-1984, Staatssekretär für Finanzen 1984-1991 sowie Minister für öffentliche Arbeiten, Verkehr und Umwelt 1991-1996.
Neben seinen Regierungsfunktionen nimmt er Aufgaben in seinem Wahlkreis in Barcelona wahr. Er ist Abgeordneter der Stadt Barcelona im spanischen Parlament, der Abgeordnetenkammer (1986-2004), Mitglied des Exekutivausschusses der Sozialistischen Partei Kataloniens (1992-2004) sowie Mitglied des Bundesausschusses der PSOE (1997-2000). Von 1999 bis 2004 führt er den Vorsitz des parlamentarischen Ausschusses für Europaangelegenheiten. In dieser Eigenschaft vertritt Josep BORRELL FONTELLES von 2002 bis 2004 das spanische Parlament („Cortes“) im Rahmen der Arbeiten des Konvents zur Zukunft Europas.
Als Spitzenkandidat der Sozialdemokraten gewinnt er die Europawahlen im Jahr 2004; am 20. Juli wird er Präsident des Europäischen Parlaments.
Von seiner Antrittsrede an richtet Josep BORRELL FONTELLES sein Mandat an der Aufgabe aus, die Erweiterung der Europäischen Union im Interesse der Wiedervereinigung Europas erfolgreich zu bewältigen und lässt sich dabei von seinen Überzeugungen als Europäer leiten. Seiner Ansicht nach „gehören wir von … Vilnius bis Lissabon, von Edinburgh bis Athen zu demselben Europa.“
In diesem Sinne beglückwünscht er am 29. Oktober 2006 Georgi PARVANOV zu dessen großem Sieg bei der Wiederwahl zum Präsidenten der Republik Bulgarien, „der zugleich Ausdruck der Anerkennung des Engagements ist, mit dem Sie sich dafür eingesetzt haben, dass Bulgarien Teil der europäischen Familie wird.“ Dieser Erfolg wird in der uneingeschränkten Unterstützung des bulgarischen Volkes für den Beitritt am 1. Januar 2007 deutlich.
Es ist ihm gelungen, mit einer komplexeren internen Funktionsweise des Europäischen Parlaments das Dossier „30 Jahre altes Statut“ der EP-Abgeordneten zum Abschluss zu bringen; er bringt neuen Schwung in die Ratifizierung des Verfassungsvertrags und trägt zur Stärkung der Rolle des Europäischen Parlaments bei, und zwar insbesondere bei der Aufstellung des ersten Kollegiums des konservativen Präsidenten der Europäischen Kommission Jose-Manuel DURAO BARROSO.
Bei den Diskussionen über den Haushalt gelingt es ihm, die Einsetzung eines Ad-hoc-Ausschusses anzuregen, der mit der Finanziellen Vorausschau 2007-2013 betraut ist und dessen Vorsitz er führt, was ihm von weiten Teilen des rechten Lagers zum Vorwurf gemacht wird. Zur Erinnerung: Ein Präzedenzfall war der von Lord PLUMB (EVP/ED), als dieser Präsident des Europäischen Parlaments war.
Im Rahmen der Außenbeziehungen der Europäischen Union hat Josep BORRELL FONTELLES unter anderem am 22. Oktober 2006 auf dem Gipfel der Fünfundzwanzig mit Russland in Lahti (Finnland), der im Zeichen von Energiefragen stand, Präsident PUTIN mit den Worten angegriffen: „Menschenrechte dürfen nicht gegen Energieerzeugung eingetauscht werden.“
Dieser Gipfel findet übrigens unmittelbar nach dem Mord an der Journalistin Anna POLITKOWSKAJA statt, zu einem Zeitpunkt also, als der Eindruck vorherrscht, dass das Regime des russischen Präsidenten in Richtung Autoritarismus abgleitet und das Land wegen der Polemik gerügt wird, die zwischen Russland und Georgien wegen der Vorgehensweise Georgiens mit Blick auf die Herstellung der Souveränität über sein gesamtes Hoheitsgebiet entbrannt ist.
Im Jahr 2006 wird Josep BORRELL für „seine ernsthaften Bemühungen, das Parlament zu reformieren, eine Versammlung zu schaffen, die besser fokussiert, und die lebendiger und politischer ist“ zum EP-Abgeordneten des Jahres gewählt.
Von Januar 2007 bis juli 2009, ist er Vorsitzender des Entwicklungsausschusses des Europäischen Parlaments und Präsident des Forums für globalen Fortschritt.
Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten





